Von der Straße ins Leben

Die Arbeit mit den Straßenkindern umfasst besonders: Vertrauen zu ihnen aufbauen, sie wieder in die Gesellschaft eingliedern, ihnen eine Identität geben.
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Beim Capoeira vergessen die Jugendlichen ihre Sorgen. (Fotos: Steffen)

Pedro ist von Zuhause weggelaufen. Zwei Jahre ist das schon her. Er hat es dort nicht mehr ausgehalten. Seine Mutter ist drogenabhängig, sein Vater gewalttätig. Lieber als bei seinen Eltern lebt er auf der Straße.

So wie Pedro geht es vielen Kindern und Jugendlichen in Rio de Janeiro, die auf der Straße oder in Heimen leben. Ihre Eltern kümmern sich nicht um sie, leben selbst auf der Straße oder misshandeln ihre Kinder.

Eines Abends kommt Pedro mit seinen Kumpels an einem Bus vorbei. Drinnen brennt Licht, davor musizieren einige Jungs. Sie singen und spielen Instrumente. Pedro setzt sich dazu. Erst singt er nur leise mit, dann immer lauter. Einer der Sozialarbeiter fordert ihn auf zu trommeln. Schnell hat Pedro den Samba-Rhythmus raus. Dabei vergisst er alles um sich herum.

Gewalt bestimmt den Alltag der Jugendlichen - auch im Internet.

Seit 2013 fährt der „Straßenkinderbus“ durch Rio. Alle drei Monate steht er an einem anderen Platz in der Metropole, um möglichst viele Kinder und Jugendliche, die auf den Straßen von Rio leben, zu erreichen. Die meisten von ihnen sind Jungs und zwischen 12 und 17 Jahre alt, aber auch Mädchen kommen dorthin.

Von 18 bis 22 Uhr öffnet der Bus seine Türen auf den Plätzen wo besonders viele Straßenkinder leben. Sie kommen gern, denn im Bus gibt es Computerplätze, wo sie ins Internet gehen können. Es gibt Capoeira-Unterricht, Musikinstrumente, eine Tischtennisplatte und viele Gespräche.

Ein neues Leben

Die Sozialarbeiter und Pädagogen sind oft die einzigen Bezugspersonen der Jugendlichen. Sie nehmen sich Zeit, bauen wieder Kontakt zu den Familien auf, besorgen Unterkünfte, vermitteln Sozialhilfe und auch juristische Hilfe, wenn nötig. Pedro und die anderen erfahren von ihnen Vertrauen, Wertschätzung und Halt.

Im Bus erhalten die Kinder und Jugendlichen zudem etwas, das ihnen ein ganz neues Lebensgefühl gibt, ein Gefühl von Würde und Verantwortung: Sie können  sich behördlich registrieren lassen. Sie bekommen einen Personalausweis und mit ihm eine Identität. Oft erfahren die Kinder erst durch diesen Schritt, wer ihre Eltern sind und wo sie sich aufhalten.
Es ist ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg von der Straße.

"Wir möchten dahin gehen, wo die Straßenkinder sind und ihre Situation soweit es geht verbessern", sagt Maria Christina Noronha de Sá, Koordinatorin des Projekts.

Der Straßenkinderbus braucht Unterstützung:

  • für die Ausstattung des Computerraums 

  • für qualifizierte Ansprechpartner für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern

  • für die Instandhaltung des Busses

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